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Impfversagen und Organisationschaos

Impfversagen und Organisationschaos

Die von uns vor einigen Tagen angekündigte Aktion des Gesundheitsministeriums NRW mit den Vergaben von 100 Impfdosen an die Arztpraxen noch Ende März ist wieder vom Ministerium zurückgenommen worden. Dieses reiht sich in eine lange Liste des Versagens seitens der Landes- und Bundesregierung ein.

Wir als Praxisinhaber möchten Sie ausführlich informieren, wie die katastrophale Organisation der Impfungen Ihr Leben und Ihre Gesundheit, wie auch das Ihrer Angehörigen gefährdet.

Lockdown-Maßnahmen und der Umgang mit der Pandemie stellen die Entscheidungsträger vor schwierige Entscheidungen und diese im Nachhinein zu kritisieren, verbietet sich unserer Meinung nach. Diese Situation ist für alle neu und es gehört zur menschlichen Natur, sich nicht auf Katastrophen vorzubereiten, sondern immer erst zu reagieren, wenn die Katastrophe eingetreten ist.

Daher möchten wir uns nur zum Thema Impfungen äußern, denn dieses ist unser Spezialgebiet in den Hausarztpraxen. Bereits zu Beginn der Pandemie war klar, dass nur Impfungen uns vor weiterem Schaden bewahren können.

Das in so kurzer Zeit verschiedene Impfstoffe entwickelt wurden, ist eine unglaubliche Leistung. Das miserable Management bei der Beschaffung ist ein anderes Thema. Zu Beginn der Impfkampagne wurde der Focus auf die besonders verletzlichen Gruppen gelenkt. Leider wurden die Hausärzte mit Ihrer Versorgungsstruktur komplett umgangen und ineffektive Impfzentren geplant.

Bereits frühzeitig war klar, dass z.B. der Impfstoff von Biontech nicht ausschließlich bei -70 Grad gelagert werden kann, sondern bereits auch bei -20 Grad und für wenige Tage sogar im Kühlschrank lagerbar ist (s. Zulassung in den USA). Daher wäre es ein Leichtes gewesen, die Impfungen den Praxen zu übertragen. Es hätte kein Termin- und  Anmeldechaos gegeben. Für uns in der Praxis ist es 1 Knopfdruck, herauszufinden wie viele Patienten über 80 wir betreuen.

Zu Priorisieren und knappe Ressourcen zu verteilen, ist unsere tägliche Arbeit. Über das Apothekennetz hätten die Impfstoffe  reibungslos an die Praxen ausgegeben werden können, ohne Auftreten von Impflücken, die zum Teil dazu geführt haben, dass wertvoller Impfstoff weggeworfen wurde. Es wäre keine einzige Impfdosis verschwendet worden. Wir sind uns sicher, wir hätten die Gruppe der über 80jährigen in 3-4 Wochen durchgeimpft (je nach Impfstoffvorrat), aber nicht so ineffizient und überteuert wie in den Impfzentren (Kosten einer Impfung im Impfzentrum ca. 300 Euro, in der Arztpraxis ca. 20 Euro).

Ein weiterer massiver Kritikpunkt ist die unsinnige Bürokratie, die die Abläufe verlangsamt und erschwert. Ein Beispiel: Ein Impfarzt muss im Impfzentrum 7-mal unterschreiben für 1 Impfung! Er muss auf einem Blatt unterzeichnen, dass er ein anderes Blatt unterschrieben hat.

Für diese unfassbaren Unsinnigkeiten wird kein Bürokrat jemals zur Verantwortung gezogen oder muss sich rechtfertigen, aber wehe Sie tragen ihre Maske unterhalb Ihrer Nase! Weitere Hemmnisse und Hürden werden gerade aufgebaut, um die Impfungen in den Praxen möglichst kompliziert zu halten.

Sie fragen sich, warum andere Länder effektiver sind? Lassen Sie sich nicht einreden, es läge an knappen Ressourcen, diese sind überall knapp. Wir betreiben aktuell eine maximal ineffektive und unorganisierte Impfkampagne. Diese kostet Menschenleben.

Wir kämpfen für Sie, damit wir möglichst schnell Impfstoffe in der Praxis erhalten, nur wann dies sein wird können wir nicht beeinflussen. Lassen Sie uns hoffen, dass es möglich bald geschieht und die Impfzentren geschlossen werden!

Bleiben Sie gesund

Ihre Gemeinschaftspraxis Dres. med. Olga und Jörn Fleiter

 

 

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