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Kinder & Corona, täglich grüßt das Murmeltier...

Nachdem der Tönnies-Ausbruch überstanden scheint, kehrt nun etwas trügerische Ruhe ein. Die Menschen fahren in den Urlaub, es ist Sommerzeit, aber das nächste Streitthema wartet schon. Es birgt für Viele unter uns im Alltag drastische Einschränkungen und Auswirkungen weit über die Corona-Pandemie hinaus, was im Moment noch nicht bewusst ist!

Wen haben Sie jetzt gerade im Kopf? Die älteren Menschen mit Risikofaktoren oder die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Nein, ich meine diesmal die Kinder. Es wird in den Medien zwar davon gesprochen, wie anstrengend der Lockdown für Familien war und wie schwierig es ist für die Eltern, alles mit ihrem Beruf zu vereinbaren. Aber kaum jemand spricht über die Konsequenzen für die Kinder und ihre Zukunft.

Was wird im Herbst passieren? So gut wie jedes kleine Kind bekommt im Herbst und Winter eine Erkältung, meist harmlose virale Infekte, aber auch schwerere Erkrankungen. Wenn wir Glück haben, wird das RKI einige Kriterien festlegen, wann Kinder nicht mehr in die Kita oder die Schule sollen, aber nach bisheriger trauriger Tradition, muss dies immer von der verunsicherten betreuenden Person in der Schule oder Kita vor Ort festgelegt werden. Wird zudem noch ein Corona-Fall in der Klasse oder im weiteren Umfeld festgestellt, wird wieder reflexhaft eine ganze Klasse, schlimmstenfalls eine ganze Schule oder Einrichtung in Sippenhaft genommen. Warum?

Es gibt wenige Untersuchungen über Kinder und deren Rolle in der Verbreitung des Corona-Virus. Diese werden aber jeden Tag mehr und alle gut gemachten Studien weisen darauf hin, dass je kleiner die Kinder sind, sie umso weniger zur Verbreitung beitragen. Es fiel sogar der Begriff, dass Kinder die Ausbreitung bremsen. Andererseits gibt es unzählige Untersuchungen, dass, wenn Kindern Bildung und Nähe vorenthalten wird, sie ihr Leben lang darunter leiden, was auf keinen Fall sein darf!

Was wollen wir mit Schulschließungen erreichen? Man kann in einer Pandemie Infektionen nicht verhindern, man kann sie nur mit sinnvollen Maßnahmen eindämmen. Erinnern Sie sich noch an den Beginn, es ging nur darum möglichst eine starke Häufung von Infektionen zu verhindern, nicht eine einzelne Infektion. Jetzt haben wir gelernt wo gefährliche Orte liegen: Feiern in engen Räumlichkeiten, Gemeinschaftsgottesdienste, enge Gemeinschaftsräume in Firmen. Hier können wir sinnvoll ansetzen aber bitte keinen sinnlosen Aktionismus an den Unschuldigsten.

Zu der Unsinnigkeit von Massentestungen habe ich mich bereits geäußert, jetzt sollen alle Lehrerinnen, Lehrer und Kita-Mitarbeiter/Innen sich testen lassen können? Wieder absoluter Unsinn. Es wird wieder falsche Testergebnisse geben, Kindern wird Bildung und Nähe vorenthalten und damit die Schäden unabsehbar. Das alles geschieht im Namen einer Eindämmung, die an anderen Orten sinnvoller wäre.

Krankheiten und Tod sind immer um uns herum, wir haben verlernt mit ihnen zu leben und wir verdrängen. Zum Beispiel kann jede Windpockenerkrankung oder jede Grippeinfektion dramatische Konsequenzen für ein einzelnes Kind oder einen Erwachsenen haben, aber trotzdem nehmen wir nicht alle anderen in Sippenhaft.

Vergessen wir bitte nicht: Kinder haben Vorrang! Die Konsequenzen müssen wir Erwachsenen schon aushalten können.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Gemeinschaftspraxis Dres. med. Fleiter

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