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Zwischen Wahn und Wirklichkeit!

Wir Mediziner im Kreis Gütersloh haben ein Problem.

Diese Mal ist nicht der bekannte Virusausbruch in einem fleischverarbeitenden Betrieb gemeint, der uns schon genug Schwierigkeiten bereitet, diesmal ist es etwas, dass aus eigentlich gesunden Menschen falsche Kranke macht. Was meine ich damit?

Wenn Ärzte medizinische Tests durchführen, ist Ihnen immer bewusst, dass kein Test eine Sicherheit von 100% bietet. Ein Test muss zwei Sachen erfüllen. Erstens muss er in einer Gruppe Kranker und Gesunder mit großer Sicherheit möglichst viele Kranke finden. Dies nennt man die Sensitivität eines Testes. Je näher er bei 100% liegt, desto besser. Aber es werden immer Kranke übersehen werden.

Zweitens darf ein Test aus einer Gruppe Gesunder keine Kranken machen, dies nennt sich die Spezifität eines Testes, ein falsches Testergebnis nennt man „falsch positiv“. Daher sind Testungen an Gesunden in der Medizin immer hochproblematisch. Warum?

Nehmen wir an, der Rachenabstrichtest auf das Corona-Virus hat eine Spezifität von 99,5%. Dies wäre für einen medizinischen Test schon ein ausgesprochen guter Wert. Der genaue Wert ist von den Firmen bis heute nicht angegeben worden. Jetzt testen wir 10.000 gesunde Menschen ohne Symptome aus dem Kreis Gütersloh. Es werden also 50 Menschen positiv getestet, obwohl sie gesund sind.

Dies hat für die Betroffenen erhebliche soziale, psychologische und wirtschaftliche Folgen, wie viele von uns gerade am eigenen Leib erleben. Testen wir in der nächsten Woche wieder 10.000 Menschen, ergibt es wieder 50 Personen. Würden wir also alle Menschen wöchentlich im Kreis testen, könnte man theoretisch niemals unter die magische Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner kommen.

Jetzt werden wir aber gezwungen, durch Einreisebeschränkungen, Gesunde möglicherweise krank zu machen. Dies ist unser Problem. Es scheint aber in der öffentlichen Diskussion keine Rolle zu spielen.

Verstehen Sie mich richtig, ich bin für ausgewiesene Testungen, sie müssen aber auf Risikobereiche und Kontaktpersonen beschränkt bleiben und zur richtigen Zeit gemacht werden. Also in Betrieben, Altenheimen, Krankenhäusern.

Wirklich schlimm wird es, wenn man die Unschuldigsten mit einbezieht. Stellen Sie sich nach obiger Rechnung mal vor, sie testen zwei Schulen wöchentlich mit insgesamt 1000 Kindern und Lehrern. Davon sind dann jeweils 5 positiv getestet, obwohl sie gesund sind. Ganze Klassen werden unnötigerweise in Quarantäne gesteckt, mit allen bekannten Folgen für die Kinder. Und das wäre jede Woche so!

Meine eindringliche Bitte an alle: Lassen Sie wieder etwas gesunden Menschenverstand einkehren, damit wir der Pandemie mit richtigen Mitteln Herr werden können und nicht mit unsinnigem Aktionismus („Kostenlos für alle auf Tönnies-Kosten!“)

Dr. med. Jörn Fleiter

Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie

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